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J. K. Johansson : Venlas dunkles Geheimnis
('Palokaski'-Trilogie, Bd. 3)

Buchbesprechung von Frank Rehag, November 2015

dt. Erstausgabe: 2015 - Suhrkamp Verlag, Berlin
finn. Originalausgabe: 2015 - Tammi Publishers, Helsinki
Titel der finnischsprachigen Originalausgabe: "Venla"
aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen
Im Kofferraum des Autos von ihrem Therapeuten Henri Saastamoinen findet Miia Pohjavirta einen in Plastikfolie gewickelten toten weiblichen Körper. Der Wagen ließ sich unbeabsichtigt mit dem Schlüssel öffnen, den Miia bei Lauras Sachen in der Asservatenkammer der Polizei fand, unerlaubt mitnahm und eigentlich längst wieder zurückbringen wollte. Vor Schreck lässt sie die Klappe zufallen ohne genau nachzusehen, wer die Leiche ist. Die verschwundene Nora? Aufgrund der Sache mit dem Schlüssel sieht sie keine Möglichkeit, den Fund bei der Polizei anzuzeigen. Schnell würde sie selber zu den Verdächtigen zählen. - Emilia Arponen arbeitet seit zwei Jahren bei der zentralen Kriminalpolizei und sollte der örtlichen Polizei in Palokaski, die um Amtshilfe bat, bei der Aufklärung eines Gewaltverbrechens helfen, jedoch sind die Todesfälle Laura Anderson und Saska Korhonen inzwischen gelöst. Während eines Jogginglaufs durch den Wald stößt sie auf etwas, das ihre Neugier weckt: eine Plastikfolie, in der sich die Leiche Tiina Ojantaus' befindet. Nun ist sie mittendrin in den Ermittlungen und auch Miia Pohjavirta wird von ihr als Verdächtige in den Fall mit hineingezogen. - Unklar ist das Tun von Olli Oinonen, dessen Name Miia nicht nur bei der Suche ihres scheinbar untergetauchten Therapeuten Saastamoinen unterkommt, sondern auch schonmal beim Stöbern im Arbeitszimmer ihres verstorbenen Vaters aufgetaucht ist. Auch Kommissar Korhonen scheint eine Verbindung zu ihm zu haben und Miia gegenüber etwas zu verschweigen. - Laura Anderson und Tiina Ojantaus trugen eine Kette mit einem Engelanhänger, die vermisste Nora besitzt ebenfalls eine. In Miias Erinnerungen hat auch Venla, ihre vor zwanzig Jahren verschwundene große Schwester, eine solche Kette getragen. Zufällig erfährt Pasi Tikka, der damals Venlas Freund war und heute als Zeitungsredakteur arbeitet, bei Recherchen zu den Ereignissen in Palokaski von einem ehemaligen Trucker, dass Venla seinerzeit mit ihm nach Hamburg gefahren war und weiter Richtung Italien reisen wollte. Pasi macht sich auf den Weg in den Süden und erfährt Dinge, die manche Familienverhältnisse in ein neues Licht rücken. Auch Miias Mutter scheint endlich ihr Schweigen brechen und ein Familiengeheimnis lüften zu wollen.
Leider drängt sich beim finalen Teil der Palokaski-Trilogie der Verdacht auf, dass sich das Autorenkollektiv J. K. Johansson bei der Vielzahl der Erzählstränge verzettelt hat, am Ende die Luft ausging und Verbindungen konstruiert werden mussten. Die wichtigsten Fragen werden beantwortet, dennoch wirken einige der neu hinzugekommenen Handlungen nicht ganz zu Ende erzählt. Wie kam die Wandlung von Venlas Freund Luca zustande? Warum hat Oinonen die Seiten gewechselt? Welche Person war für Noras Situation verantwortlich? Wer sind die Leute, die Suski abholen und wie ist Suskis Lage direkt nach der Operation? Erläuterungen hierzu hätte man durchaus mehr Platz einräumen sollen, statt bandübergreifend regelmäßig Miias Ess- und Liebesgewohnheiten zu durchleuchten. Das heikle Thema Eizellenspende hätte durchaus mehr Platz verdient gehabt, so wurde es immer wieder nur oberflächlich angekratzt. Das Ende hält somit nicht ganz das, was das Potential der Geschichte und die ersten beiden Bände versprochen haben. Bemerkenswert ist zudem, dass für den dritten Band eine andere Übersetzerin herangezogen wurde, was keine Wertung sein soll. Dennoch ist der Schreibstil unweigerlich ein etwas anderer, der sich allerdings wie zuvor bei Lauras letzte Party und Noras zweites Gesicht gut und flüssig lesen lässt. Trotz des etwas schwächeren dritten Teils ist die Palokaski-Trilogie insgesamt gesehen spannend, kurzweilig und empfehlenswert. Eine Frage jedoch wird wohl nie beantwortet werden können, Fiktion hin oder her: Wo hat das Autorenteam schon einmal Tausend-Euro-Scheine gesehen, von denen die Rede ist, als die Ojantaus-Brüder Lauri und Toni im Hotel einchecken wollen?
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