Niilo Sevänen : Der Weg des ewigen Winters
('Ikitalvi'-Reihe, Bd. 1)
Buchbesprechung von Ulrike Krüger-Stephan, Dezember 2025
dt. Erstausgabe: 2025 - Bastei Lübbe, Köln
finn. Originalausgabe: 2024 - Gummerus, Helsinki
Titel der finnischsprachigen Originalausgabe: "Ikitalven polku"
aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
»"Das hier ist vielleicht das Dümmste, was ich je getan habe", überlegte er. "Oder das Mutigste. Gibt es dazwischen einen Unterschied?"«
(Niilo Sevänen / Gabriele Schrey-Vasara | Der Weg des ewigen Winters | Seite 124)
Konstantinopel im Jahr 1007 nach Christus. Seit sieben Jahren ist der Winter auf dem Vormarsch in Europa. Der Barde Orpheus, der bisher vor allem durch seinen unsteten Lebenswandel zwischen Schenke und Bühne aufgefallen ist, muss von einem Moment auf den anderen die Verantwortung für seine Nichte Halla übernehmen. Wo sie Unterschlupf finden können, ist ebenso unklar wie eine Antwort auf die Frage, wer sie verfolgt. Fest steht nur, dass Halla, das Mädchen mit den so merkwürdig blauen Augen, aus irgendeinem Grund wichtig ist – und dass es gefährlich ist, in ihrer Gesellschaft zu reisen.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, denen jeweils ein Chronikeintrag vorangestellt ist. Neben Halla und Orpheus steht die Söldnerin Skadi im Fokus. Ein weiterer Erzählstrang folgt Theophanu, der Mutter des jungen Kaisers Otto III, der seit sieben Jahren verschollen ist. Theophanus Suche nach ihrem Sohn bildet ein Gegengewicht zur Jagd- und Fluchtgeschichte, die zum Teil auf einer Traumebene erzählt wird.
Obwohl die spannende, atmosphärisch erzählte Abenteuergeschichte im Vordergrund steht, behandelt Der Weg des ewigen Winters auch Themen mit Gegenwartsbezug. Es geht um den Einfluss des Klimas auf das Leben der Menschen: um Klimaanpassung und Flucht. Weiterhin beleuchtet das Buch Fragen wie: Was ist man den Menschen schuldig, die einen großgezogen haben? Was sind Lebensräume wert? Und welchen Ratgebern kann man trauen? Schlauen Füchsen mit einer goldenen Schwanzspitze?
Da es sich um den Auftaktband eines mehrbändigen Werkes handelt, bleibt vieles bis zum Ende rätselhaft – dadurch aber nicht weniger faszinierend. Gelungen ist insbesondere die Mischung aus historischer Fiktion und Fantasy – aus nordischer Mythologie und christlicher Chronikliteratur. Insgesamt ist Der Weg des ewigen Winters ein gelungenes Debüt, das Lust auf mehr macht. In seinem unwirtlichen, winterlichen Setting ist das Buch perfekt für die kalte Jahreszeit – oder für (gedankliche) Abkühlung im Sommer.